Tagebuch

Bilder & Gedanken



Januar 2022

Sirkka Wittke 2012
Sirkka Wittke 2012

Körper und Atem.

Ursprünglich wollte ich über den Zwang zur Selbstoptimierung schreiben, wie wir uns dadurch immer wieder von uns entfernen. Denken, dass wir nicht gut genug sind, so wie wir sind. Daraus hat sich ja in den vergangenen Jahren eine pseudospirituelle, umsatzstarke Wellness- und Therapiewelle entwickelt. Mich als Frau in den besten (Wechsel-) Jahren nervt diese Oberflächlichkeit zunehmend. 

Dann passierte es am letzten Wochenende, dass ich bei einer schönen Wanderung an der Havel eine Wurzel übersah und mit viel Schwung in den Waldboden stürzte. Mir war sofort klar, dass ich den Sturz nicht mehr verhindern konnte und versuchte, mich so locker wie möglich zu machen. Mit dem Gesicht im Laub -es duftete köstlich- begann ich erstmal zu stöhnen und mich zu orientieren. Drehte mich langsam um. Meine BegleiterInnen waren natürlich schon zur Stelle, die gutgemeinten Ratschläge wehrte ich ab. Ich musste mich in diesem Moment ganz für mich sammeln. Meine Rescue Tropfen hatte ich natürlich nicht dabei und so konzentrierte ich mich auf die Basics. Den Körper spüren, meinen Rücken in den Waldboden schmelzen lassen, den Blick in die Baumkronen und den Himmel gerichtet und bewusst atmen. Mich etwas zu räkeln. Es schmerzte sehr. Nachdem ich eine Weile gelegen hatte, tauchte der Impuls auf, aufzustehen. Und zwar selbstständig. Im Stehen schüttelte ich mich, seufzte und stöhnte und versuchte die ersten Schritte - die erstaunlicherweise problemlos möglich waren. Der Weg zurück tat gut, die Bewegung setzte den ganzen Körper wieder zusammen.

Zuhause stellte ich mich sofort unter die Dusche, sehr warm und auch Wechseldusche für den Schreck. Kytta Salbe, Traumeel Tabletten und Ibuprofen für die Nacht. Dazu ein großes Stamperl besten Cognac. Ich musste auch sehr mit meinem Mann über die Situation lachen, schüttelte mich so im Innen gut durch. Im Bett begann ich zu zittern und war einfach froh, an einem sicheren, sauberen und warmen Ort zu sein. Tränen konnten fließen. Inzwischen leuchten die Prellungen in allen Farben und die Selbstheilungskraft des Körpers fasziniert mich mal wieder sehr. 

Wir wissen in uns eigentlich immer was wir brauchen. Das mag ich so an meiner Arbeit, die für mich Handwerk und Kunst zugleich ist. Ob es die Frau ist, die zum ersten Mal eine Tarotkarte für sich deutet, der junge Mann, der ein Gespräch und Berührung braucht oder die 80jährige Yogafrau, die seit vielen Jahren das HeilYoga genießt. Im Körper und im Atem können wir zu Hause sein und bei uns selbst ankommen.


Sirkka Wittke 

Heilpraktikerin für Psychotherapie 

030 92279859

0162 3651391

mail@sirkkawittke.de