Tagebuch

Bilder & Gedanken



September 2021

Wählen gehen.

Nicht zu wählen ist keine Option.

Und auch wenn ich mit Angela Merkel in vielen Themen nicht einer Meinung war / bin, werde ich sie und ihre klare, nüchterne, unaufgeregte Art sehr vermissen. Danke dafür.

Und ich bin gespannt, wie es weitergeht.



August 2021

Wie geht es dir?

How are you? Cómo estás? Comment ça va? 

Wie fühlst du dich, in deinem Körper, deinem Geist, deinem Herzen?

Wie fühlst du dich im Leben eingebunden und aufgehoben?

Eine so einfache Frage, die Türen öffnet. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen sich begegnen, derzeit vielleicht nach langer Zeit, in der sich so Vieles verändert hat. Die uns verändert, berührt, bewegt. Und dann werden Meinungen ausgetauscht, wird diskutiert, vielleicht Einigkeit oder auch Gegensätze erlebt. Ich kann Schuldige suchen, mich wahlweise im Recht oder als Opfer fühlen. Ist das alles? Meine Lust auf Diskussionen ist ziemlich erschöpft. 

Das Zwiegespräch ist ein wöchentliches Ritual, das ich mit meinem Mann und auch mit meinen FreundInnen teile. Eine Person spricht, die andere hört offen zu, ohne zu unterbrechen. Die sprechende Person teilt sich mit, aus ihrem inneren Erleben und Empfinden - ehrlich, frei und unzensiert. Ganz ungestört. Selbstverantwortlich. Danach wird gewechselt. Keine Kommentare, keine Bewertungen, Verständnisfragen sind erlaubt. Ich mag beide Rollen, das Teilen und das Zuhören. Es ist magisch, welche Tiefe, welche Überraschungen in diesem offenen, meditativen Raum entstehen können. 

Ein weiteres Zwiegespräch, das ich liebe, ist Meditation in der Natur - lauschen & spüren wirkt heilsam & erdend auf mich.

Mit den Herausforderungen, die uns schon jetzt und in den nächsten Jahren beschäftigen werden, stellt sich mir immer wieder die Frage, wie wir miteinander und mit der Situation umgehen. Klar, heiter und beherzt finde ich erstrebenswert.

Im Vergleich dazu könnte Corona ein "Kinderspiel" sein, das habe ich schon länger gedacht und ein Betroffener des Hochwassers hat es ausgesprochen. Übrigens: derzeit gehen die Einnahmen der Online HeilYoga-Übungsabende an die Katastrophenhilfe des Hochwassers. Edit: 200€ wurden an die freiwillige Feuerwehr Blankenheim gespendet. 

Und? Wie geht es dir?



Juli 2021

Morgenrot - lebendige Stille.

Dämmerung. Lieblingszeit. Im Sommer wache ich oft spontan gefühlt mitten in der Nacht auf und entdecke dann am östlichen Horizont den ersten Schimmer des anbrechenden Tages. Ein Schauspiel, das mich immer wieder erfreut. Für mich die beste Zeit für Meditation. Sitzen, bei mir sein, die köstliche Stille und morgendliche Frische genießen. Erdung, Zentrierung und Öffnung. Zeit für ehrliche, humorvolle Selbstbegegnung und klare Einsichten. 

Unbewusstes und Bewusstsein können sich in Ruhe begegnen - ohne zu kritisieren wohlwollend wahrnehmen, so trauen sich auch verborgene Schatten hervor.

Ich meditiere nicht, um etwas zu erreichen oder um mich zu verbessern. Ich sitze, weil ich es liebe. Die inneren Bewegungen in Körper, Atem und Geist spüren und fließen lassen. Unterkiefer, Schultern und Bauch dürfen sinken. Zunge, Augen, das Naseninnere und Ohren / Trommelfelle lade ich ein, etwas weicher zu sein. 

Es ist keine Übung, es ist ein Erforschen der grundlegenden Schönheit des Lebens.

Eine Kunst, die immer tiefer geht.

Eine Leidenschaft, die ich sehr gerne teile. 



Juni 2021

Nebenwirkung Dankbarkeit.

Wenn ich Zeit habe und es einrichten kann, laufe ich zu Fuß zu Terminen, gerne auch auf neuen Wegen. Das Gehen und die Eindrücke bewegen mich im Innern und stellen die Verbindung von Bauch, Herz & Hirn wieder her. Wenn die Verbindung lebt, tauchen Inspiration und Kreativität aus meiner Mitte auf, ich sinniere vor mich hin und unterhalte mich mit mir selbst. Ich nenne diese Pilgerwege medicine walk. 

Auf dem Weg zu meinem Impftermin lief ich durch den Treptower Park, herrlich grün & frisch, der Gesang der Vögel pure Freude. Ich fühlte mich froh. Wie ich mich schon seit Wochen für jeden Menschen freue, der geimpft wird, freute ich mich auf dem Weg für mich selbst. Wie glücklich ich mich schätzen kann, in einem Zeitalter zu leben, in dem uns Kräuterkraft, Körperweisheit und auch wissenschaftlich entwickelte Medizin zur Verfügung stehen. Ganzheitlichkeit mit Sinn gelebt werden kann. Das wünsche ich mir im übrigen für alle Länder - die Ungerechtigkeiten sind ja auch bei diesem Thema wieder überdeutlich.

Im Impfzentrum war die Stimmung sehr gelöst - ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal mit so vielen fremden Menschen beisammen gewesen bin... und alle wirkten auf ihre Art glücklich. So glücklich, dass sich im Anschluss an die Impfung eine kleine froh gelaunte Schlange draußen an der Pommesbude bildete und das Ereignis zelebriert wurde. 

In mir breitete sich eine stille Weite aus - ein Gefühl von Dankbarkeit und Mitfreude. 

Mitfreude, im Buddhismus Mudita genannt, ist einer der heilsamen Geisteszustände und hilft uns, Neid & Eifersucht auszugleichen. Immer mal wieder die Mundwinkel nach oben zu ziehen, kann Mudita im Herzen aktivieren.

Just try it :)



Mai 2021

colors of life / Sirkka Wittke 2016
colors of life / Sirkka Wittke 2016

Kreativität - Farben des Lebens.

Ist es nicht wunderbar, wenn nach dem Winter das Frühjahr immer wieder neu erwacht? Dieses Jahr zum Glück etwas langsamer als die vergangenen Jahre, aber es blüht & grünt und die Vögel singen! Und auch wenn die Gletscher schmelzen, das Artensterben seit 1970 bei fast 70!! Prozent liegt, es weiterhin viel zu trocken ist, strömt weiterhin Chi, die universelle Lebensenergie, in ihrer Kraft und folgt ihrem natürlichen Lauf. 

Daran nehme ich mir gern ein Beispiel und bringe etwas Farbe und Schönheit in den ganz profanen Alltag. Es geht nicht so sehr darum WAS ich tue, sondern vielmehr darum WIE und WARUM ich etwas tue. Es ist eine Frage der Wahrnehmung und Motivation, wie ich koche, den Tisch decke, wie ich mit meinem Mann rede, wie ich meine Sitzungen und Kurse gebe. Wie ich mich bewege und atme. Weniger Routine, mehr Frische. Es gibt so viel Raum für Kreativität. Nur erzwingen kann ich sie nicht. Genau wie für Entspannung kann ich mich für Kreativität öffnen, sie einladen, eintreten lassen. Und wenn sie mich küsst, mit diesem Fluss gehen. Die Welt vielleicht etwas schöner hinterlassen, das Leben aus dem Herzen heraus berühren.

Passend zum Wonnemonat Mai ist Klimaschutz nun auch offiziell ein Grundrecht. Für die Insekten, Pflanzen und Ozeane ist das überhaupt keine Frage - wir Menschen brauchen anscheinend immer wieder eine Erinnerung, dass wir Gäste auf diesem Planeten sind und kreativ mit den vor uns liegenden Veränderungen umgehen können / müssen.

Ich wünsche dir viel kreatives Sein und schenke dir ein maigrünes Bärlauch-Pesto.



April 2021

Moondance / Sirkka Wittke, 2007
Moondance / Sirkka Wittke, 2007

Gefühle - Poesie der Seele.

Ostern steht in direkter Verbindung zum ersten Vollmond im Frühling. Und so wechselhaft wie die Mondin am Himmel erscheint, sind auch die Gefühle, die in unseren Körperschichten eingebettet sind, in steter Veränderung lebendig. Wie würde es sich anfühlen, wenn wir sie nicht als Problem bezeichnen würden sondern als Ausdruck unseres Wesens willkommen heißen könnten? Wenn die innere Bandbreite der Gefühle sich ausdehnen und die Lebensenergie frei(er) fließen könnte? Meine Angst  schenkt mir Mut. Zweifel führen mich zur Klarheit. Neid & Kleingeistigkeit sind die Schwestern der Großherzigkeit. Aus der Trägheit entsteht Leichtigkeit. Meine Strenge ermöglicht Weichheit und Perfektionismus lässt Gelassenheit erscheinen. Meine Wut ist oftmals die Wurzel für Mitgefühl, während Humor aus der Bitterkeit entspringt. Ungeduld und Beständigkeit sind Freundinnen. Mein Misstrauen schenkt mir Vertrauen. Trauer wird von Liebe getröstet. Lebensmüdigkeit  und Verzweiflung sind der Same für Hoffnung und Zuversicht. Es ist ein verwurzeltes, menschliches Dasein mit mehr Geschmack und Farbe, in dem meine Verletzlichkeit ein Ausdruck des Lebens sein kann. Sprudelnd wie Champagner, prächtig wie der Frühling.



März 2021

Little Buddha auf dem Fuß des großen Buddha. Dowa-Tempel, Sri Lanka 2011
Little Buddha auf dem Fuß des großen Buddha. Dowa-Tempel, Sri Lanka 2011

Der innere Weg.

Es geht hoch her, die Luft wird dünner... seit nun einem Jahr hat sich unsere Lebenssituation grundlegend verändert. So schnell kommen wir aus der Nummer auch nicht raus. Wir sind alle mehr oder weniger durch die Corona-Situation betroffen und werden mit unseren Gefühlen von Wut, Angst, Trauer oder auch Hilflosigkeit konfrontiert. Die kann ich verdrängen oder ins Außen projizieren und mich in Machtkämpfe, Vorwürfe oder Resignation verlieren. Schuldige suchen und in Negativität stecken bleiben. 

Oder aber durchatmen, mich schütteln, vielleicht 5 Minuten meckern, motzen & klagen und die Gefühle in mir spüren. Mich auch auf unangenehme Empfindungen einlassen. Der innere Weg der Meditation führt mich geradewegs in und durch meine Emotionen und begleitet mich seit fast 25 Jahren durch die Höhen und besonders auch Tiefen meines Lebens. Mich dem Moment anzuvertrauen und zu fragen: "Was lerne ich in dieser Situation? Wie kann ich auch jetzt weich bleiben und kraftvoll sein? Was kann ich geben?"

Wir haben das Leben nicht unter Kontrolle. Und Karma ist nicht das Ereignis, das mir widerfährt - Karma ist das, wie ich mit diesem Ereignis umgehe. Think about it!



Februar 2021

Frau Holle zu Besuch.

Schneeflocken, eisiger Ostwind, knirschende Waldspaziergänge, Eisschollen auf der Spree, die Vögel, die unsere Futterstelle belagern. Frau Amsel, die sich zwischen Blumentopf und Küchenfenster wärmt und mir beim Kochen Gesellschaft leistet.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so glücklich über Erscheinungen des  Klimawandels gewesen bin - aber ich habe jede Minute dieser arktischen Luft genossen. War so viel und gerne draußen wie schon lange nicht mehr. Und so ging es vielen Menschen, Kinder, die zum ersten Mal Schlitten gefahren sind, Hunde die durch den Schnee tobten - einfach schön. 

Die besondere Stille, die der Schnee mit sich bringt fühlte sich wirklich wie eine weiche Daunendecke von Frau Holle an - einhüllend, beruhigend und tröstlich. Danke dafür!

 



Januar 2021

Perspektiven.

Eine Meditation aus dem tantrischen Buddhismus:

nimm dir einen ungestörten Moment und richte dich angenehm ein. Und dann betrachte die Welt aus den Augen eines Vogels. Aus den Augen einer Schlange im Regenwald. Aus den Augen eines Wals im Ozean. Betrachte die Welt aus dem Sein eines Baumes, eines Berges, aus der Sicht eines benachbarten Planeten. Sei ein Regentropfen, ein Windhauch. Verbinde dich einmal am Tag mit der Natur, einem Tier, einer Pflanze oder einem Stein. Lass dich auf die Tiefe dieser Perspektiven ein, ohne zu denken. Lausche. Nimm mit deinem ganzen Körper wahr. Atme, seufze und bewege dich. Vielleicht spürst du die Allverbundenheit der Schöpfung und dass jedes Geschöpf seinen Platz hat und ein einmaliger Ausdruck der Lebendigkeit des Kosmos ist? Wie fühlt sich das an? 

Wir können es uns nicht mehr leisten zu glauben, nicht in Kontakt mit dem Leben zu sein. In diesen Zeiten ist es essentiell, eine einfache spirituelle Praxis zu haben. Sei es Singen, Atemachtsamkeit, HeilYoga, stilles Sitzen, tanzen, gehen, kochen. Was immer sich für dich natürlich anfühlt. Verkörpere dein Gebet, deine Mediation täglich für einen Augenblick.

Für 2021 wünsche ich mir, dass wir lernen. Aufeinander achten - mit viel AHA und Freundlichkeit. Dass wir Mutter Erde hüten. Dass wir in Schönheit, Liebe und Freude leben.

Mögen alle Wesen glücklich sein.